"Es ist doch schön, von Sinnen zu sein!"

Call for Papers für "Die Manns und der Film"

Call for Papers "Die Manns und der Film", Herbsttagung 20.-22.9.2019 in Lübeck

Thomas Mann liebte den Film – und verachtete ihn zugleich. Auch wenn er dem in den 1920er Jahren noch jungen Medium mit aufgeschlossenem Interesse gegenüberstand, so ließ er sich selbst doch – anders etwa als Alfred Döblin – nicht nachhaltig auf die narrativen und performativen Möglichkeiten des Mediums ein. Denn nicht der Kunst und dem Verstand, sondern der Sphäre des Lebens, des Herzens und der illusionierenden Schaulust ordnete er die „Schattenbilder“ des Films zu. Die ambivalente Faszination durch das „Lebensnahe“ und „Wirklichkeitsechte“ des massenkompatiblen Mediums schlug sich aber doch auch produktiv in Manns Schreiben nieder, als Inspiration für Romanfiguren oder -handlungen ebenso wie in der (sehr gelegentlichen) Mitarbeit an Filmprojekten. In die 1920er Jahre fiel mit den „Buddenbrooks“ von Gerhard Lamprecht auch die erste Verfilmung eines seiner Werke zu Lebzeiten (der erst 1953 mit „Königliche Hoheit“ eine zweite folgen sollte). Ähnlich verhielt es sich auch bei seinem Bruder Heinrich Mann, dessen „Professor Unrat“ 1930 als „Der blaue Engel“ ungleich erfolgreicher filmische Karriere machte. Erst in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg (und dem Tod beider Brüder) begann das Interesse an der Verfilmung ihrer Werke (bzw. auch an deren Hörspieladaptionen) deutlich zuzunehmen – wie auch im Fall von Klaus Mann, dessen Romane überhaupt erst ab den 1980er Jahren filmisch adaptiert werden sollten.

 Die Tagung „Die Manns und der Film“ möchte dem Verhältnis Thomas, Heinrich und Klaus Manns zu den audiovisuellen Medien, insbesondere zu Kino und Film, in ihrem vielfältigen und widersprüchlichen Verhältnis nachgehen. Wie rezipierte die Familie Mann die neuen audiovisuellen Medien – und wie fanden diese Eingang in ihre Werke oder beeinflussten deren Handlung, Figuren und Erzählweise? Und wie wirkten die Familie und ihre literarischen Werke umgekehrt wiederum auf die medialen Adaptionen, insbesondere auf Film und Kino ihrer Zeit (und der danach) ein?

 Ein erster Themenschwerpunkt der Tagung stellt die Zeit der 1920er Jahre und das produktive wie reproduktive Verhältnis der Manns zum Film dar – als rezipierende Kinogänger und Zuschauer, als Mitarbeiter an Filmprojekten, als Kommentatoren des sich vom Stumm- zum Tonfilm entwickelnden jungen Mediums, und nicht zuletzt als Beobachter (und Rezipienten) der Verfilmung ihrer erfolgreichen Romane „Buddenbrooks“ (1901) und „Professor Unrat“ (1905).

 Ein zweiter Themenschwerpunkt stellt die Verfilmungs- und Adaptionsgeschichte ihrer Werke nach 1945 dar, im Kontext des kultur-, diskurs- und mentalitätsgeschichtlichen Wandels der deutschen Gesellschaft in BRD und DDR. Zu fragen ist hier, wie die Werke der Manns jeweils adaptiert – und dabei im Rahmen bestimmter Sichtweisen, Ideologien und Kontexte funktionalisiert wurden?

 Neben literatur- bzw. medienwissenschaftlichen Beiträgen sind auch künstlerische oder journalistische Werkstattberichte von Praktiker(inne)n aus den Bereichen Film, Drehbuch, Regie etc. möglich. Wir freuen uns auf Ihre Vortragsbewerbungen!

Die Herbsttagung der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft zum Thema „Die Manns und der Film“ findet vom 20 bis zum 22. September 2019 in Lübeck statt. Bitte richten Sie Ihre Themenvorschläge (versehen mit Arbeitstitel, Kurzexposé und Informationen zu Ihrer Person) bis zum 15. Februar 2019 per Email an:

 Prof. Dr. Yahya Elsaghe, yahya.elsaghe@germ.unibe.ch

 Prof. Dr. Andreas Blödorn, andreas.bloedorn@uni-muenster.de

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