Ringvorlesung "Eine Stadt liest einen Roman - 125 Jahre Buddenbrooks"
Vortrag von Susanne Fritz
Der Roman Buddenbrooks. Verfall einer Familie feiert 2026 seinen 125. Geburtstag. Aus diesem Anlass veranstalten das Buddenbrookhaus und die Musikhochschule Lübeck in Kooperation eine mehrteilige Ringvorlesung in der Villa Brahms. An insgesamt sieben Terminen sind hochkarätige Referierende nach Lübeck eingeladen. Alle Vorträge der Ringvorlesung werden durch musikalische Werke, gespielt von Studierenden der Musikhochschule, begleitet.
Der zweite Vortrag der Autorin Susanne Fritz findet am Mittwoch, 11. März, um 19 Uhr statt.
Susanne Fritz: „Aber am schlimmsten ist dein Schweigen.“ Die Familie Buddenbrook: Privileg und Abgrund
Thomas Manns vielschichtiger Familienroman Buddenbrooks lässt sich als Geschichte ungleicher Kräfteverhältnisse lesen. Mann und Frau, Eltern und Kinder, Privilegierte und Untergebene: Wenig geschieht aus reiner Liebe, ohne dass damit ein Zweck verfolgt oder familiären Erwartungen entsprochen würde. Wenn Thomas seinen Bruder Christian zurechtweist mit den Worten „Schließlich gehörst du nicht dir alleine an“, steht dies als Leitspruch für die ganze Familie. Viel Charme und Witz sind im Spiel, und doch ist der Roman Zeile für Zeile von Zwang durchweht, von der Forderung nach Gehorsam. Zwischen den durchaus sprachgewandten Familienmitgliedern wächst das Schweigen, das schwerer lastet als jedes Wort. Eine Familiengeschichte, unter die der kleine Hanno einen doppelten Schlussstrich zieht: „… ich glaubte – es käme nichts mehr“ – damit endlich ein neues Kapitel beginnen kann.
Susanne Fritz (*1964) schreibt Erzählungen, Romane, Essays und dramatische Texte. Eins ihrer zentralen Themen sind das Erbe der Gewalt und die verborgenen Auswirkungen der Vergangenheit auf das eigene Dasein. In „Wie kommt der Krieg ins Kind“ (2018) begibt sie sich auf Spurensuche, erzählt von den schweren Traumata der Mutter und ihrer deutsch-polnischen Familiengeschichte im Wechsel der Zeitläufte. Zuletzt erschien ihr Roman „Heinrich“ (2023), eine Spiegelfigur des Vaters, dessen Lebenslauf exemplarisch für seine Generation und die deutsche Nachkriegsgeschichte steht. Susanne Fritz ist der Familie Mann besonders durch Klaus Mann verbunden, dessen letzten abgeschlossenen literarischen Text „Der Kaplan“ sie 2021 in einer kommentierten Ausgabe herausgeben hat.
Die Ringvorlesung findet im vierwöchigen Rhythmus statt. Der Einlass beginnt um 18:30 Uhr.
Im Anschluss laden wir Sie ein, bei einem Getränk ins Gespräch zu kommen.
Tickets und weitere Infos erhalten Sie über diesen Link.
Bitte beachten Sie, dass es bei einigen Plätzen ggf. zu Sichteinschränkungen kommen kann.
Veranstaltungsort:
Brahms-Institut
Jerusalemsberg 4
23568 Lübeck
